Hand Abhacken - Das Gesetz der Maßlosen (in "Lehren des Koran")

Geschrieben von: Hanif, am 07.Dec.2011

Im Namen Gottes Des Erbarmers Des Gnädigen

 

Es gibt tatsächlich verschiedene Interpretationen im Bezug auf das Handschneiden des Diebes im Islam. Traditionelle Moslems wie Sunniten oder Schiiten folgen in erster Stelle bei den Interpretationen der Koranverse ihren Hadith-Büchern, die sie all die Jahre pflegten und als Quelle des Wissens betrachteten. Die Gelehrten sind nicht mal einig, wo die Grenze des Hand-Schneidens sei, obwohl im Koran wortwörtlich das Wort „HAND“ steht, und nicht Ober- oder Unterarm.

Die Übersetzung, die wir hier haben, beruht im wahrsten Sinne auf Interpretationen der Sekten, da die meisten Übersetzer des Koran beim Nicht-Verstehen mancher Verse zu den Interpretationen ihrer Gelehrten zugreifen. Und so bekommen wir statt die wortgetreue Wiedergabe des Koran eine Übersetzung ihrer Rechtsschulen.

والسارق والسارقة فاقطعوا أيديهما جزاء بما كسبا نكلا من الله والله عزيز حكيم

5:38 Dem Dieb und der Diebin trennt die Hand ab, als Vergeltung für das, was sie sich erworben haben - eine Strafe von ALLAH. Und ALLAH ist Allwürdig, Allweise.

Doch Der Allmächtige Herr hat uns im Koran nichts außer Acht gelassen. Deshalb brauchen wir beim Lesen und verstehen des Koran nichts außer Glaube und vertrauen.

 

Was heißt Schneiden

 

Das Wort قطع [Qataa´a] bedeutet ganz einfach "schneiden" und hat wie in jeder anderen Spache mehr als eine Bedeutung

  • Englisch: Cut = einen Schnitt machen oder abtrennen
  • Deutsch: Schneiden = einen Schnitt machen oder abtrennen
  • Arabisch: Qataa´a = einen Schnitt machen oder abtrennen

Wenn Man sagt: "Man schnitt sich die Hand", dann heißt das, dass man sich eine Wunde zugefügt hatte, und nicht unbedingt seine Hand abtrennte, außer man setzt ein Adjektiv oder eine Präposition zum Verb, die den Prozess des Schneidens genauer beschreiben: "Man schnitt das Blatt durch", "Man schnitt den Kuchen in Teilen".

Sura Josef 12:31 bestätigt diese Aussage und zeigt uns, was unter "Hand schneiden" zu verstehen ist:

فلما سمعت بمكرهن أرسلت إليهن وأعتدت لهن متكءا وءاتت كل وحدة منهن سكينا وقالت اخرج عليهن فلما رأينه أكبرنه وقطعن أيديهن وقلن حش لله ما هذا بشرا إن هذا إلا ملك كريم

12:31 Als sie von ihrem heimtückischen Gerede hörte, lud sie sie ein und bereitete ihnen ein Festmahl. Jeder von ihnen gab sie ein Messer und sprach zu Joseph: "Tritt zu ihnen hinaus!" Als sie ihn erblickten, fanden sie ihn berückend, schnitten sich in ihre Hände (arabisch: Qattaa´na, plural feminin) und sprachen. "Gott bewahre! Das ist kein Mensch! Nichts anderes als ein edler Engel ist er."

Die beiden Wörter "Hand-Schneiden" kommen insgesamt 7 Male im Koran vor und zwar in den Versen 5:33, 5:38, 7:124, 12:31, 12:50, 20:71, 26:49. Fünf Verse davon (5:33, 7:124, 12:50, 20:71, 26:49) kommen mit einem Adjektiv, das den Prozess des Schneidens genauer beschreibt und zwei (5:38, 12:31) stehen frei ohne Adjektive oder Präpositionen. Diese beiden Verse haben wir bereits oben gezeigt und wenn man Sura- und Versnummer von jedem Vers zusammenrechnet, dann bekommt man jeweils 43:

Sura 5 + Vers 38 = 43
Sura 12 + Vers 31 = 43

ZUFALL???

Damit versichert uns unser Herr, dass beide Verse nicht nur bei der Schreibweise identisch sind, sondern auch, wenn man Sura- und Versnummer zusammenberechnet.

 

Der Schnitt als Merkmal

 

Für die Frage, warum auf der Hand des Diebes einen Schnitt gemacht wird, und was der Sinn solcher Handlung sei, gibt es für mich persönlich eine Erklärung.

Es ist schon eine alte Tradition, dass man als Zeuge im Gericht erstmal vor seiner Zeugenaussage die Hand hebt und schwört, dass man die Wahrheit sagt und nichts als die Wahrheit, so wahr Gott helfe. Diese Handlung ist immer noch in Gerichten vorhanden, falls das Gericht das Schwören des Zeugen für nötig hält. Das Handheben im Gericht diente damals dazu, dass der Zeuge keine Schnittnarbe auf seiner Hand aufweist, als Zeichen für die Gültigkeit seiner Zeugenaussage. Denn wer mal gestohlen hatte und solch ein Zeichen bekam, dem gilt seine Zeugenaussage vor Gericht nicht.

 

Die Strafe für den Diebstahl

 

Einen zweiten Hinweis über Diebstahldelikt im monotheistischen Glauben der Familie Abrahams, der ja bekanntlich als erster Baustein der islamischen Religion war, wird uns bei der Geschichte von Josef erzählt (da Josef Sohn Jakobs, Sohn Abrahams war). Ich möchte hier nicht alle Einzelheiten der Geschichte angehen, sondern wir begnügen uns mit dem Teil, wo Josefs Söldner die Brüder beschuldigten, den Pokal des Königs gestohlen zu haben. In Vers 12:74 lesen wir, wie die Söldner die Brüder (die Söhne Jakobs) nach der Strafe des Diebstahls fragen:

12:74 Jene sprachen: "Was soll dann die Strafe dafür sein, wenn ihr Lügner seid?"
12:75 Sie antworteten: "Die Strafe dafür sei: der, in dessen Satteltasche er (der Pokal des Königs) gefunden wird, soll selbst Entgelt dafür sein. Also lohnen wir den Übeltätern."

Vers 12:74 deutet auf das Gesetz, das Jakob seinen Söhnen beigebracht hatte und unter seinem Stamm ausführte. Es geht um die gemeinnützige Arbeit, die der Dieb verrichten muss, um seine Schuld bei dem Bestohlenen begleichnen zu können. Die gerechte Strafe ist das Gesetz Gottes und darf kein anderer; außer der Schuldige; auf sich nehmen, so wie Josef den Brüdern in den nächsten Versen erklärt:

12:78 Sie (die Brüder) sprachen: "O Hochmögender, er hat einen greisen Vater, so nimm einen von uns an seiner Statt; denn wir sehen, du gehörst zu denen, die Gutes tun."
12:79 Er (Josef) antwortete: "Gott behüte dass wir einen andern nehmen sollten als den, bei dem wir unser Eigentum gefunden haben; wir wären sonst wahrlich ungerecht."

Es ist auf jeden Fall unbarmherzig gegenüber einen Menschen, der aus Not gestohlen hat, seine Hand abzutrennen. Damit hat man erreicht, dass dieser Mensch nie mehr im Leben richtig arbeiten kann und seine Familie würde noch ärmer werden. Nur leider so weit denken manche Menschen nicht, sondern nur versteift auf Gewalt und Leid, um ihre barbarischen Neigungen zu befriedigen, dabei ist aber Gott der Erbamer, der barmherzige und der gnädige ist.

Salam

7 Kommentare

Eddy
26.Jan.2013
Slm,

erstmal der Artikel ist sehr gut ! Danke dafür!

dann zu 5:33: Das Entgelt derjenigen, die Krieg führen gegen Gott und
Seinen Gesandten und streben danach, auf der Erde Unheil zu stiften,
ist, dass sie getötet oder gekreuzigt werden, oder dass ihnen Hände
und Füße wechselseitig geschnitten werden, oder dass sie aus dem Land
verbannt werden. Für sie ist eine Schande im Leben, und im Jenseits
eine gewaltige Strafe

Hier muss man sich den Vers genau anschauen - er ist eingeschränkt:

"Das Entgelt derjenigen, die Krieg führen gegen Gott und
Seinen Gesandten
"


hier wird die Strafe nur dazu angewandt die aktiv gegen den Propheten vorgehen - es gibt im Koran Vorschriften wie man mit Gefangenen oder Kriegen sich zu verhalten hat - die "Hand" hat nach meiner Meinung auch eine metaphorische Bedeutung im Sinne von "Macht" wie sie zB auch so im Koran angewandt wird (zB 23:88) (so kann man aus Hände und Füße abschlagen mit sicherheit es auch metaphorisch sehen das man jemandem seine ganze Macht beraupt wie ist deine Meinung?

Waslm Eddy

Reply to Eddy

Hajridin
19.Jan.2012

Selam Bruder Hanif,

hast du eine Idee woher dieses Strafmaß stammt ? Da es ja schon seit langer Zeit das wechselseitige (ab)schneiden bzw. kreuzigen gegeben hat. Beispielsweise in Sura 12 deutet Yusuf as. einem Mitgefangen sein Traum und sagt ihm, das er gekreuzigt werden würde. In Sura 7 droht Pharao es den Zauberern an weil Sie gläubig wurden. In Sura 5:33 droht es Allah denjenigen an die gegen Allah und seine Gesandten Krieg führen oder Unheil stiften. Ich hatte bisher gedacht das diese Drohung eine Erfindung des Pharao war. Merkwürdig finde ich das Allah die selbe Drohung gebraucht. Möglich ist das Pharao diese Drohung auch nur übernommen hat, Frage wäre dann woher ? Oder ich versteh etwas nicht und interpretiere diesen Vers falsch.

Selam

 

Selam

Reply to Hajridin

admin: 20.Jan.2012Salam Bruder Hijridin


Folterungen egal in welcher Form (durch Kreuzigung, Peitschen, Verhungern lassen usw..) sind negative Eigenschaften, die in jedem Menschen stecken können. Ich sehe es eher so, dass sie zu den Katastrophen gehören, die den Menschen im Leben begegnen, wenn man sich die Befehle Gottes widersetzt und den Schritt des Teufels folgeleistet. Es ist nicht im Sinne von verhängter Strafe zu verstehen, sondern eher eine natürliche Reaktion basiert auf "Wechselwirkungsprinzip" (Für jede Aktion gibt es eine Reaktion). Es ist ein Gesetz, das Gott in der Natur setzte und daraufhin machte Er uns auf die Waage aufmerksam (5:7-9).


Es gibt sozusagen Strafen, die einem ganzen Volk widerfahren wie (Überflutungen, Vulkanausbrüchen, Epidemien) und auch einzelne Strafen, die auf wenige Personen ausgerechtet sind (Gefangenschaft, Folterung, Verfolgung). Uns ist auf keinen Fall erlaubt, solche Katastrophen mit Absicht hervorzurufen, denn sie können mißbraucht werden und wir müssen selber oder unschuldige Menschen darunter leiden.


Die Verse, die du gepostet hast, kannst du ja mit den heutigen Ereignissen vergleichen. Solche Folterungsmethoden gibt es leider immer noch in vielen Ländern, in denen Gottes Gesetz mißachtet wird (Beispiele: Syrien, Ägypten, Tuniesien...). Ich sage nicht, dass das Volk seine Strafe verdiente, sondern es ist eine der Methoden, ein Volk wach zu schütteln, bevor es sich selbst zerstört und endgültig zugrundegeht. Denn leider die meisten Menschen können sich erst besinnen, wenn ihnen ein schwerer Schlag widerfährt (Siehe 10:22).


Vers 5:33 zeigt mehrere Methoden der möglichen Strafen (Totschlag, Kreuzigung, Abtrennung der Füsse oder Hände, Verjagung), die in der damaligen Zeit üblich waren (wie auch bei den Römern) und von Pharao mißbraucht wurden und gegen jedem anwandt, der ihm widersetzte. Es ist sicher nicht die Erfindung Pharaos, sondern etwas, was schon immer existierte.


Salam

Hajridin
18.Jan.2012

Selam Bruder Hanif,

habe eine Frage zu 5: 33 die angedrohten Strafen ähneln den Drohungen des Pharaos. Wie ist das zu verstehen ? Woher stammen diese Strafmaßnahmen die an andere Stellen auch vorkommen ? Vielleicht habt ihr auch schon diesesThema beschrieben, dann bitte einen Link dazu. Ich danke dir im voraus und wünsche dir Allah´s Wohlgefallen !

Selam

Reply to Hajridin

admin: 18.Jan.2012

Salam Bruder Hijridin



5:33 Das Entgelt derjenigen, die Krieg führen gegen Gott und Seinen Gesandten und streben danach, auf der Erde Unheil zu stiften, ist, dass sie getötet oder gekreuzigt werden, oder dass ihnen Hände und Füße wechselseitig geschnitten werden, oder dass sie aus dem Land verbannt werden. Für sie ist eine Schande im Leben, und im Jenseits eine gewaltige Strafe



Ich habe dieses Thema noch nicht analysiert, weil es für mich als Arabisch-sprechender einen Unterschied gibt zwischen den Begriffen جزؤا [JaZWA] Entgelt, Lohn, und عقاب[EQAB] Strafe, und قصاص [QaSAS] Bestrafung, die leider manchmal in den Übersetzungen verwechselt werden


Das erste Wort JaZWA ist eher (im Gegensatz zu den anderen beiden Begriffen) im Sinne von "Schicksalsschlag" und nicht als Strafe, die den Menschen erlaubt ist, zu verstehen. (Hier sind die Verse) Ein ähnliches Wort (جزاء [JaZAA] Engelt, Entlohnung) kommt in anderen 27 Versen vor und hat diegleiche Bedeutung wie JaZWA. Es kann also als Entlohung im Positiven (Paradies, gutes Leben) als auch im Negativen (Hölle, bekämpft werden, verfolgt usw.) Sinne verstanden werden. D.h. eine Strafe durch Gott, durch die Menschen oder durch Katastrophen ist womöglich eine Entlohunug für schlechte Taten aber Entlohnung an sich ist nicht unbedingt eine Strafe.


Das ist auch einer der Gründe, warum wir Muslime nicht verstehen, wie es möglich sein könnte, dass Jesus gekreuzigt wurde. Denn Gott hat diesen Schicksalsschlag niemals seinen Dienern geschrieben, sondern den Übeltätern.


Uns wird in Vers 5:33 nur gesagt, dass man niemals befürchten soll, dass ihm etwas schlimmes im Leben passiert, solange man gerecht handelt und wahrhaftig bleibt


Salam

Dhoom
22.Dec.2011
Salam Bruder Hanif
Sehr schöner Artikel und zimlich inforeich nur weiter so Bruder.
Aber eine Frage hätte ich noch zu einem Vers 12:75 wie ist es mit dem Entgelt zu verstehen.

Für immer?
Oder nur die zeit bis die Summe des Diebstahls beglichen ist?

Möge Gottes  Segen und Frieden mit dir sein
wa salam
Dhoom

Reply to Dhoom

admin: 22.Dec.2011

Salam Bruder Dhoom


Freut mich, dass dich das Thema anspricht


Sicher ist es nicht für immer gemeint, denn das Maß des Entgelts muss gerecht und je nach Diebstahl geregelt werden:



2:179 Und für euch liegt Leben in der Vergeltung, ihr Einsichtigen, auf dass ihr dabei achtsam seid



In diesem Vers geht es an erster Stelle um das Tötungsdelikt, das auch mit einer Geldsumme entgolten werden kann, wenn es um einen Unfall geht. Auch hier ist es möglich, dass der Täter befreit wird, falls die Angehörigen des Ermordeten ihren Anspuch darauf fallen lassen. Du sieht, wie der Islam bei so einem schwerwiegenden Fall wie Mord vorgeht. Deshalb ist es unverständlich, dass Diebstahl mehr bestraft wird als Mord. Bei Diebstahl muss man die Summe der entstandenen Schaden und die Verfahrenskosten berechnen, um darüber einen Urteil zu bilden, wie der angeklagte seine Tat wieder gut macht. Auch das Gesetz "Auge um Auge Zahn um Zahn" besagt, dass man das Recht hat, genau das zurück zu nehmen, was einem genommen wurde. Dazu fügt aber Gott zu:



"Wem aber von seinem Bruder etwas vergeben wird, der soll sich erkenntlich zeigen und ihm gutwillig eine Gegenleistung erbringen. (Vers 2:178)"



Unser Herr ist Barmherzig und Gnädig


Salam


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Wer SATT ist, wird NIE einen HUNGERNDEN verstehen.
Es kommt nicht darauf an, wie ALT man ist, sondern WIE man alt ist.
AUFRICHTIGKEIT ist wahrscheinlich die verwegenste Form der TAPFERKEIT.
Ein WAHRHAFT großer Mensch wird weder einen Wurm ZERTRETEN, noch vor dem Kaiser KRIECHEN.
Was Rednern an TIEFE fehlt, ersetzen sie durch LÄNGE.
Sehnsucht ist das Los des Geistes, der einmal Gottes Schönheit geschaut hat.
Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in DIR.
Wandelt mit den FÜßEN auf der ERDE; mit den HERZEN aber seid im HIMMEL.
Bewußt-Sein ist Selbst-Erlebnis durch Selbst-Betrachtung.
Doch die SCHÖPFUNG - bleibt ein WUNDER.
Nur der Schweigende hört.
Suche nicht ANDERE, sondern dich SELBST zu übertreffen.
Man muss etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen.
Jede Weisheit ist ein Geschenk Gottes
Wer sich nicht mehr WUNDERN kann, der ist SEELISCH bereits TOD.
Menschen wünschen sich Geduld, aber so schnell wie möglich