Die vergessene Zeit (in "Lehren des Koran")

Geschrieben von: Hanif, am 17.Jul.2013

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Gnädigen

Wir haben in einem anderen Beitrag über die Reform des islamischen Kalenders (zum Lesen) gesprochen und zeigten die Gründe, die uns zu dieser Untersuchung brachten: Uns war es sehr wichtig, dass wir Lösungen für die Problematik finden, die den muslimischen Menschen auf der ganzen Welt begegnen, wie zum Beispiel die großen Zeitunterschiede des Tages. Wir fanden heraus, dass die größte Ursache dieser Problematik darin besteht, dass Muslime das Befolgen des Mondkalenders als Maßstab in ihren religiösen Riten anwenden und gleichzeitig den Sonnenkalender für ihr soziales Leben gebrauchen. Das Mondjahr, das aus 354 Tagen besteht, unterscheidet sich vom Sonnenjahr um ca. 11 Tage. Bei diesem Unterschied kommen bestimmte religiöse Riten wie Fasten, Pilgern oder die Schonzeit der Tiere 11 Tage früher als das Jahr zuvor. Dieser jährliche Rücklauf hinterlässt seine negativen Spuren vor allem, wenn Menschen in den Schonzeiten die Tiere jagen.

Der gregorianische Kalender hat sich nicht nur im Westen durchgesetzt, sondern auch in allen muslimischen Ländern, da er vor allem mit den vier Jahreszeiten verläuft, was bedeutet, dass Menschen ihre innere und die äußere Natur besser im Griff haben. Leider befolgen Millionen von Muslimen immer noch die Lehren ihrer Vorväter, als wären sie ein Teil der Offenbarung Gottes, über die man nicht diskutieren darf. Diese Haltung ist untere anderem eine der Gründe, warum der traditionelle Islam rückständig ist. Die Rückständigkeit betrifft nicht nur das Gebiet des Wissens und der Technologie sondern auch die Religion.
Wir wollen daran erinner: Um Dinge vorwärts rollen zu lassen, müssen wir bereit sein, mehr Demut gegenüber unsere Umwelt zu zeigen und einiges von unserer Anhaftungen opfern, so Gott will.

 

NaSYA, die vergessene Zeit

9:37 Das Vergessene [NaSYA] ist nur eine Zunahme im Ableugnen. Diejenigen, die ableugneten, führen damit irre. Sie erlauben es in einem Mondjahr und verbieten es in einem Mondjahr, wobei sie die Anzahl dessen übertreten, was Gott für verbietend erklärte. Und so erlauben sie, was Gott verbot. Geschmückt ist für sie die Schlechtigkeit ihrer Werke. Und Gott leitet das ableugnende Volk nicht recht

So wie wir im letzten Artikel zeigten, verstanden die früheren Interpreter des Koran das Wort "NaSYA" als jenen Monat, der von den Menschen in der vorislamischen Zeit immer wieder verschoben wurde, so wie es ihnen beliebte. Dieses Verständnis bei den neuen Koranwissenschaftlern ist immer noch vorhanden. Sie haben aber auch verstanden, dass NaSYA ein Monat ist, der seine Wichtigkeit hat. Deshalb sieht man in userer Zeit immer mehr Leute, die die Wiedereinsetzung dieses Monats fordern. NaSYA sollte dann als Schaltmonat dienen, der nach dem Rhythmus des metonischen Zyklus (19 Sonnenkalender-Jahre) verläuft, in dem 7 Mondmonate zugefügt werden in folgenden Abschnitten:  3, 6, 8, 11, 14, 17 und 19.

Wir sehen, dass dies alles ein Fortschritt ist. Trotzdem ertappen wir uns immer wieder dabei, dass manche Ideen nicht ganz dem Koran entsprechen, sondern dem, was wir aus unserer traditionellen Vergangenheit immer noch in uns tragen:

  1. Das Vergessene wurde nicht als Monat genannt so wie Ramadan in Vers 2:185 (Monat Ramadan, in dem der Koran als Rechtleitung herabgesandt wurde.....).
     
  2. Vers 9:37 besagt, dass die Ableugner "das Vergessene" in einem Mondjahr erlauben - hier sind auch keine Einwände - aber im nächsten Mondjahr verbieten sie es. Und genau hier liegt der Fehler. Denn dadurch gerät der Jahresrhythmus aus dem Gleichgewicht und die Tage verschieben sich nach hinten. Mit anderen Worten, dieser Vers besagt nicht, dass das Erlauben und das Verbieten "des Vergessenen" beide falsch seien, sondern allein nur das Verbieten, indem man es nicht einsetzt, so wie es sich gebührt.

Nun ist die Frage: Wenn NaSYA "das Vergessene" sehr wichtig ist, so dass man es jedes Mondjahr zufügen muss, was ist es dann?

Doch bevor wir diese Frage beantworten, sollten wir einige Verse genauer untersuchen, damit uns die Idee leicht verständlich wird.

 

Nacht und Tag und das Berechnen der Sonnenjahre

17:12 Und wir haben die Nacht und den Tag zu zwei Zeichen gemacht. Das Zeichen der Nacht haben wir ausradiert, und wir haben das Zeichen des Tages als sehend gemacht, damit ihr nach einer Gunst von eurem Herrn strebt, und damit ihr die Zahl der Sonnenjahre und die Zeitrechnung wisst. Jedes Ding haben wir im Einzelnen dargelegt.

Unser Anliegen ist nicht, den gesamten Vers zu erklären, sondern wir wollen zeigen, was Nacht und Tag mit der Berechnung zu tun hat.

Gott unterteilte den Gesamttag in Nachtlauf und Tageslauf. Dies bedeutet, dass jeder Anteil genau bei 50% (12 Stunden) liegt, da wir uns bei der Berechnung nicht auf einen bestimmten Tag festlegen, sondern auf die Verteilung von Nächten und Tagen im gesamten Jahr.

Beobachtet man alle Verse, in denen beide Tagesläufe vorkommen, dann sieht man, dass die Nacht als erstes (vor dem Tageslauf) markiert wird so wie in dem Vers 17:12 der Fall ist (Siehe Verse). Dies ist auch sehr wichtig, denn wenn im Koran die Rede von 30 Nächten ist, dann bedeute es nicht, dass sie ganze 30 Tage seien, sondern nur 29,5 Tage. Das heißt, wenn wir die 30 Nächte zählen, dann zählen wir die Nacht gefolgt vom Tageslauf (= ein ganzer Tag) und bei der 30. Nacht wird der letzte Tageslauf nicht mehr dazu gezählt. Und so haben wir nur 29 Tage und 12 Stunden.

7:142 Und wir verabredeten uns mit Mose dreißig Nächte lang und ergänzten sie mit weiteren zehn. So vervollständigte sich der Termin seines Herrn auf vierzig Nächte. Und Mose sagte zu seinem Bruder Aaron: "Sei mein Nachfolger bei meinem Volk, sorge für Ordnung und folge nicht dem Weg der Unheilstifter."

Nach dem wir gesehen haben, dass 30 Nächte 29,5 Tage sind, erscheinen uns noch 10 weiteren Nächte, die zu Vervollständigung dienen sollen. Dies ist nämlich nicht die einzige Stelle im Koran, die von der Nummer 10 handelt und die als "vervollständigend" beschrieben ist.

Was birgt sich aber hinter diesen vervollständigenden ZEHN? Und was soll vervollständigt werden?

 

Die vervollständigenden ZEHN

So wie im Vers davor und in den nächsten Versen beobachten wir dasgleich Phänomen:

28:27 Er sagte: "Ich will dir eine dieser meiner beiden Töchter zur Frau geben unter der Bedingung, daß du acht Pilgerzeiten in meinen Dienst trittst. Wenn du sie aber auf zehn vervollständigst, so ist das deine Entscheidung. Ich will gegen dich keine Härte zeigen. Du wirst, so Gott will, finden, daß ich zu den Rechtschaffenen gehöre."

2:234 Und wenn diejenigen von euch, die abberufen wurden, Partnerinnen zurücklassen, so sollen diese mit sich selbst vier Monate und zehn abwarten. Ist dann ihre Frist abgelaufen, so ist für euch kein Verstoß darin, was sie mit sich selbst in erkenntlicher Weise machten. Und Gott ist über das, was ihr tut, kundig

2:196 So vollendet die Debatte und das Verweilen für Gott. Wenn ihr bedrängt seid, so gilt als Gabe, was verfügbar ist, und schert eure Häupter nicht ehe die Gabe ihren Platz erreichte. Wer aber krank ist oder ein Leiden am Haupt hat, dann ist als Auslöse ein Fasten, eine Spende oder eine Praktik. Fühlt ihr euch in Sicherheit, so soll derjenige, der das Verweilen bis zur Debatte genoss, darbringen, was verfügbar ist. Wer es nicht vermag, der soll während der Debatte drei Tage fasten und sieben, nachdem ihr zurückgekehrt seid; das sind insgesamt zehn. Dies gilt für den, dessen Angehörige nicht bei der verbietenden Unterwerfungsstätte anwesend waren. So seid Gottes achtsam und wisst, dass Gott hart im Bestrafen ist

Um diese ZEHN zu verstehen, sollten wir die ersten 5 Verse von Sura 89 genau untersuchen. Denn hier ist die Antwort, auf die wir gewartet haben:

89:1 Und der Morgenanbruch
89:2 und zehn Nächte
89:3 Und das Ergänzende und das Anschließende
89:4 Und die Nacht, wenn sie zurückgeht
89:5 Ist darin eine Mitteilung für einen sich Besinnenden (Einräumenden)

Wie man sieht, handelt es sich hier um eine wichtige Mitteilung, die eine Sache einräumt, die sich in den ersten 4 Versen befindet. Lasst uns zusammen diese Verse genauer anschauen:

1. Und der Morgenanbruch: Ist sozusagen der Anfang eines Tageslauf und beginnt genau nach dem Ende der Nacht (ein halber Tag)

2. und zehn Nächte: Es sind 9,5 Tage

3. Und das Ergänzende und das Anschließende: Zwei Begriffe, die nicht leicht zu übersetzen sind:
- Das Ergänzende [ShaFaA] hat auch die Bedeutung von Fürsprechen, ist so zu sagen der Vertreter von etwas oder ergänzt eine andere Sache.
- Das Anschließende [WaTaR] ist praktisch der zweite Teil, der durch das Erste vertreten wurde und ihn anschließt. Es bedeutet auch etwas überliefern oder mitschwingen.

Diese beiden beschriebenen Zustände finden wir in der Natur bei den Sonnenwenden, die sich 2 mal jährlich ereignen. Denn nach den beschiebenen 10 Nächten (89:2) kommt die letzte Nacht, auch die längste Nacht des Jahres (am 21. oder 22 Dezember), an der das Ergänzende zu Ende kommt und das Anschließende beginnt. Hier werden die Nächte langsam kürzer und die Tage länger. Und das ist genau was der nächste Vers besagt:

4. Und die Nacht, wenn sie zurückgeht: Die zweite Zeitspanne beginnt (Das Anschließende) und die Nächte werden kürzer.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenwende
Eine Sonnenwende findet zweimal im Jahr statt. Zur Wintersonnenwende – auf der Nordhalbkugel der Erde am 21. oder 22. Dezember – erreicht die Sonne die geringste Mittagshöhe über dem Horizont, während der Sommersonnenwende am 20., 21. oder 22. Juni (an Orten nördlich des nördlichen Wendekreises) ihren mittäglichen Höchststand über dem Horizont. Auf der Südhalbkugel sind die Verhältnisse umgekehrt, während des dortigen Winters ist auf der Nordhalbkugel Sommer.

5 Ist darin eine Mitteilung für einen sich Besinnenden (Einräumenden): Hast du diese Mitteilung und das Wissen dahinter erfasst?

Nun zählen wir die Resultate:

0,5 (Morgenanbruch) +  9,5 (zehn Nächte) + 1 (Nacht der Sonnenwende) = 11 Tage

Wir sagten oben, dass 30 Nächte 29,5 Tage sind, was ein ganzer Monat ausmacht, und dass 12 solche Monate 354 Tage sind (29,5 * 12 = 354)

Jetzt addieren wir die 11 Tage dazu, dann erhalten wir 365 (354 + 11) Tage. Das ist nämlich nichts anderes als das Sonnenjahr.

 

Fazit

So wie wir oben erwähnt haben, dass NaSYA (Das Vergessene) kein Monat ist, sondern nur gezählte Tage (11 Tage), die zur Vervollständigung des Mondjahres (354 Tage) dienen, damit es mit dem Sonnenjahr (365 Tage) verläuft.

Diese 11 Tage müssen wir jedes Mondjahr ohne Ausnahme zufügen, damit das Jahr vollständig ist.

Das Aussetzen der NaSYA in einem einizigen Jahr würde dazu führen, dass die Tage nach hinten verschoben werden. Diese Verschiebung verursacht ein Ungleichgewicht in unserem Leben, so dass die vier verbietenden Monate (Jagdverbotsmonate = Schonzeit) übertreten werden.

Leider, ist NaSYA von den Muslimen in Vergessenheit geraten, so wie der Name es sagt (Das Vergessene), ein Etwas, was wir unbedigt vervollständigen müssen, damit wir die befohlenen Grenzen Gottes einhalten und sie nicht überschreiten. Das ist das Geheimnis des Erfolgs im Dieseits und im Jenseits, wenn wir unsere Natur, die Gott uns anvertraute, respektieren.

Gelobt ist Gott der Herr der Welten

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3 Kommentare

Samir
22.Jun.2014
Salam liebe Brüder,

Kurzer Nachtrag noch:

Wenn Shahr nicht Monat bedeutet, woher wissen wir dann wie lange wir fasten müssen?

Nur die 10 Tage des Vollmondes oder doch bis zum nächsten Vollmond.

Vielen Dank

Salam

Reply to Samir

Samir
22.Jun.2014
Salam liebe Brüder

Ihr übersetzt Shahr mit Monat jedoch im Artikel Shahr-Ramadan mit Vollmond...

"Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass das Wort "shahr" Monat bedeute. Der Begriff "shahr" bedeutet jedoch nicht Monat. Gemäß klassischer Arabisch Wörterbücher, pflegten die Araber den Mond "shahr" zu nennen."

Ich finde beides als keinen Widerspruch wenn man die Sure 2:185 heranzieht, da ob Monat oder Mond. Den der Mond dienst uns ja zur Zeitberechnung 2:189 und somit kann auch eindeutig Ramadan wieder bestimmt werden, unter Berücksichtigung des restlichen Artikels "Shahr-Ramadan", jedoch sagt ihr es sei ein Missverständnis, dass es "Monat" heißt...

Wie soll man damit umgehen?

Friede sei mit euch

Reply to Samir

Semi
02.Mar.2014
Wenn ich das richtig verstanden habe, dürften somit keine Verschiebungen der Monate nach dem Mondkalender gemacht werden?

Würde das etwa bedeuten ,dass der Mondkalender simultan zum Sonnenkalender laufen müsste?

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Wer SATT ist, wird NIE einen HUNGERNDEN verstehen.
Es kommt nicht darauf an, wie ALT man ist, sondern WIE man alt ist.
AUFRICHTIGKEIT ist wahrscheinlich die verwegenste Form der TAPFERKEIT.
Ein WAHRHAFT großer Mensch wird weder einen Wurm ZERTRETEN, noch vor dem Kaiser KRIECHEN.
Was Rednern an TIEFE fehlt, ersetzen sie durch LÄNGE.
Sehnsucht ist das Los des Geistes, der einmal Gottes Schönheit geschaut hat.
Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in DIR.
Wandelt mit den FÜßEN auf der ERDE; mit den HERZEN aber seid im HIMMEL.
Bewußt-Sein ist Selbst-Erlebnis durch Selbst-Betrachtung.
Doch die SCHÖPFUNG - bleibt ein WUNDER.
Nur der Schweigende hört.
Suche nicht ANDERE, sondern dich SELBST zu übertreffen.
Man muss etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen.
Jede Weisheit ist ein Geschenk Gottes
Wer sich nicht mehr WUNDERN kann, der ist SEELISCH bereits TOD.
Menschen wünschen sich Geduld, aber so schnell wie möglich