Kopftuch im Islam – Ja oder Nein? (in "Verschiedene Themen")

Geschrieben von: Hanif, am 21.Feb.2008

Im Namen Gottes, Des Erbarmers, Des Gnädigen hijab02.jpg

Vieles wird mit dem Islam verbunden, ohne dass man sich bewusst ist, woher solche Dinge stammen.
Ist ein Kopftuch (Hijab oder Khimar) für Frauen ein Gesetz, das Gott verordnet hatte oder kommt dieses Gesetz aus anderen Quellen, die mit dem Islam nichts zu tun haben?

Da ich keine Frau bin, habe ich auch keine Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn ich dazu aufgefordert würde, ein Kopftuch zu tragen. Wozu ich und jeder Moslem aufgefordert sind, ist, den Koran zu lesen, um vor allem die Gesetze Gottes zu lernen und sie – als Mann oder als Frau – zu befolgen. Das Thema Kopftuch für Frauen ist ja nichts Neues, doch sollte nochmals neu untersucht werden, um den Zwang, den man sich wegen eigener Traditionen macht, nicht für alle Menschen zu verallgemeinern. In der islamischen Welt wird vieles erzählt, was meistens auf eine Vermischung von Tradition und Religion beruht. Deshalb hören wir auch muslimische Leute, die darauf schwören, dass solche Gesetze von Gott verordnet seien, ohne richtiges Wissen über die tatsächlichen Gesetze Gottes zu haben. Traditionelle Muslime begründen nämlich das Kopftuchtragen damit, dass die Haare einer Frau zu ihrer (Áwra = Scham) gehören, die sie unbedingt verdecken muss. Diese Behauptung wird gestärkt durch falsche Interpretation des Verses 24:31 und durch mehrere unsichere Hadithe. Doch im Koran finden wir keine Stelle, die speziell auf das Kopftuch eingeht. Vielmehr wird im Allgemeinen über die Kleidung der Gottergebenen Menschen gesprochen. Gott erzählt uns in den folgenden Versen, wie die Kleidung einer Frau sein sollten, und wie ein Mann sich ihr gegenüber zu verhalten hat:

33:59 O Prophet! Sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen, sie sollen ihre Übergewänder reichlich über sich ziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, dass sie (dann) erkannt und nicht belästigt werden. Und Allah ist Allverzeihend, Barmherzig.
24:30 Sage den gläubigen Männern, sie sollen den Blick niederschlagen und ihre Keuschheit wahren. Das ist reiner für sie. Gottes Kenntnis umfasst alles, was sie tun.
24:31 Und sage den gläubigen Frauen, sie sollen den Blick niederschlagen und ihre Keuschheit wahren und ihre Zierde nicht zeigen, außer dem, was davon sichtbar ist, und sie sollen ihre Tücher über ihren Kleiderausschnitt ziehen und ihre Zierde niemandem zeigen außer ihren Ehemännern, ihren Vätern, Schwiegervätern, ihren Söhnen, Stiefsöhnen, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und ihrer Schwestern, den Frauen, mit denen sie Umgang haben, den Leibeigenen, den mit ihnen lebenden Männern, die Frauen nicht mehr begehren, und den Kindern, die noch kein Verlangen nach Frauen haben. Sie sollen den Boden nicht mit den Füßen schlagen, um verdeckten Schmuck bemerkbar zu machen. Kehrt alle reumütig zu Gott zurück, ihr Gläubigen, damit ihr Erfolg erzielt!
7:26 Ihr Kinder Adams! Wir haben euch Kleidung gewährt, die eure Blöße bedeckt und euch zur Zierde gereicht. Die beste Kleidung ist jedoch die Frömmigkeit. Das sind Gottes Zeichen; darüber sollen die Menschen nachdenken.

Das Wort "Khimar", was Tuch/Schal bedeutet, wird im Bezug auf das Zudecken des Kleiderausschnitts in Vers 24:31 verwendet und nicht in dem Bezug, dass die Frau ihren Kopf damit zudecken soll, wie leider viele Muslime behaupten. Wichtig ist in erster Linie, dass die Menschen sich gegenseitig nicht als Lustobjekt betrachten. Tatsächlich ist die beste Kleidung der Meschen die Frömmigkeit, die uns gewährt, uns gegenseitig zu respektieren.

Was sind aber die sichtbaren Teile, die eine Frau laut 24:30 haben darf? ً

5:6 Ihr Gläubigen! Wenn ihr beabsichtigt, das Gebet zu verrichten, wascht euch das Gesicht, die Hände und die Arme bis zu den Ellbogen und die Füße bis zu den Knöcheln, und streicht euch über den Kopf! ……..

Vers 5:6 beschreibt den Gläubigen die Ritualwaschung vor dem Gebet. Die Waschung umfasst 4 Teile des Körpers, die logischer Weise offen liegen sollten, wenn sie mit Wasser berührt werden müssen. Gesicht, Hände bis zu den Ellbogen, Haare (bzw. Kopf) und die Füße bis zu den Knöcheln sind solche Körperteile, die den Boden beim Beten berühren und die in der Öffentlichkeit kein Tabu sein dürften. Es ist auch unverständlich, dass solche Teile des Körpers zur Verführung der Männer dienen sollen, wenn sie gezeigt werden, sowie es in manchen Gesellschaften behauptet wird, in denen die Frau von oben bis unten mit einem schwarzen Tuch verhüllt ist. tschader1.jpgEs ist auch sicher kein Gesetz Gottes, dass die Frauen solch ein Leben führen müssen, sondern das Gesetz von krankhaften Männern, die eine komische Vorstellung im Bezug auf ein gesundes Zusammenleben von Mann und Frau haben. Diese Vorstellungen sind kein Produkt des Islams oder der Religionen, da es solche Verordnung schon in der vorislamischen Zeit gegeben hatte. Abschließend möchte ich aber trotz meines Festhaltens an den Gesetzen des Koran sagen, dass ich persönlich nichts ablehnen kann oder darf, was Gläubige aus Liebe und Zuneigung zu Gott machen. Letztendlich ist es auch eine Hingabe in Form einer Widmung zu Dem Erhabenen, so wie es im Koran über das Mönchtum geschrieben steht:

57:27 Wir ließen ihnen Unsere Gesandten folgen, so Jesus, Marias Sohn, dem Wir das Evangelium gaben; in die Herzen seiner Nachfolger legten Wir Mitleid und Barmherzigkeit. Das Mönchtum, das Wir ihnen nicht auferlegt hatten, haben sie erfunden und befolgt mit dem Ziel, Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Sie hielten es jedoch nicht gebührend ein. Den Gläubigen unter ihnen gaben Wir ihren Lohn, aber viele unter ihnen sind Frevler.

Man verbietet sich vieles im Leben, um vielleicht das eigene Selbst zu zähmen, wie Mönche es tun. Sie haben sich dem Leben entsagt, um mit Gott zu sein. Doch man soll 2 Dinge dabei beachten: Erstens muss man diese Gesetze sowie nach Außen als auch nach Innen befolgen, sonst ist man ein Heuchler, der ein zwiespaltiges Leben führt. Zweitens niemanden dazu auffordern, die eigenen Gesetze zu befolgen, sonst ist man sich sein eigener Götze. Wenn man ein Gesetz befolgt, dann alleine für Gott.

Salam

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