{"id":1662,"date":"2024-10-27T10:45:00","date_gmt":"2024-10-27T10:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/hanif.de\/?p=1662"},"modified":"2024-10-27T10:46:15","modified_gmt":"2024-10-27T10:46:15","slug":"die-erkenntnis-der-schlechtigkeit-vers-720","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hanif.de\/?p=1662","title":{"rendered":"Die Erkenntnis der Schlechtigkeit &#8211; Vers 7:20"},"content":{"rendered":"<p>Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Gn\u00e4digen<\/p>\n<blockquote><p>7:20 Da fl\u00fcsterte der Satan den beiden ein, um ihnen vorzuzeigen, was ihnen von ihrer <strong>Schlechtigkeit<\/strong> verborgen geblieben war, und sagte: Euer Herr untersagte euch diesen Baum nur, damit ihr nicht zu Engeln werdet oder unter den ewig Lebenden seid<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Erz\u00e4hlung von Adam und seiner Partnerin im Garten Eden ist ein zentraler Bestandteil der islamischen Lehre und stellt den Ursprung des moralischen Bewusstseins des Menschen dar. Traditionelle Interpretationen haben sich oft auf die \u201eBl\u00f6\u00dfe\u201c von Adam und seiner Partnerin konzentriert und die Enth\u00fcllung ihrer Nacktheit als Hauptpunkt dieser Geschichte verstanden. Diese Deutung ist nicht vollst\u00e4ndig falsch, l\u00e4sst jedoch einen tieferen Aspekt unber\u00fccksichtigt: die Offenbarung moralischer Erkenntnis und die F\u00e4higkeit, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. In diesem Artikel beleuchten wir die erweiterte Perspektive auf den Vers, insbesondere die Bedeutung des arabischen Begriffs <strong>\u0633\u0648\u0621\u062a\u0647\u0645\u0627 <\/strong>(<em>saw\u2019atihima<\/em>), und erkl\u00e4ren, warum die \u00dcbersetzung als \u201eSchlechtigkeit\u201c oder \u201eUnvollkommenheit\u201c eine pr\u00e4zisere Darstellung der Absicht des Verses sein kann.<\/p>\n<h3>1. Traditionelle Ansicht: Fokus auf Nacktheit und Scham<\/h3>\n<p>Traditionelle Auslegungen des Verses, in dem Satan Adam und seiner Partnerin die verborgene <strong>\u0633\u0648\u0621\u062a\u0647\u0645\u0627 <\/strong>(<em>saw\u2019atihima<\/em>) aufzeigt, betonen h\u00e4ufig die Enth\u00fcllung der k\u00f6rperlichen Bl\u00f6\u00dfe. Diese Interpretation legt nahe, dass die urspr\u00fcngliche \u201eUnschuld\u201c von Adam und seiner Partnerin durch die Versuchung verloren ging, wodurch ihnen pl\u00f6tzlich ihre Nacktheit bewusst wurde. Demnach verstehen viele Kommentatoren die Enth\u00fcllung ihrer <em>saw\u2019a<\/em> als Symbol f\u00fcr ihre Verletzlichkeit und ihre Scham \u00fcber die neu erkannte K\u00f6rperlichkeit, die sie zuvor nicht beachtet hatten.<\/p>\n<p>Diese Ansicht betont eine Art \u201eKindheitszustand\u201c, in dem Adam und seine Partnerin nicht das Bewusstsein f\u00fcr ihre k\u00f6rperliche Bl\u00f6\u00dfe und Scham entwickelt hatten. Mit der Verf\u00fchrung durch Satan und dem Essen vom Baum wird dieser Zustand \u00fcberwunden, und sie nehmen ihre K\u00f6rper als etwas wahr, das verh\u00fcllt werden muss.<\/p>\n<h3>2. Erweiterte Perspektive: Die Enth\u00fcllung moralischer Erkenntnis und der Unterschied zwischen Mensch und Tier<\/h3>\n<p>Der Begriff <strong>\u0633\u0648\u0621\u062a\u0647\u0645\u0627 <\/strong>(<em>saw\u2019atihima<\/em>) ist ein vielseitiges Wort, das sich auf etwas Schlechtes, Unerw\u00fcnschtes oder Unvollkommenes bezieht. In diesem Fall deutet es jedoch auf eine tiefere, moralische Komponente hin, die \u00fcber das rein K\u00f6rperliche hinausgeht. Der Mensch wird hier nicht einfach auf seine Bl\u00f6\u00dfe aufmerksam, sondern vielmehr auf das Konzept von \u201eSchlechtigkeit\u201c und moralischen Unterscheidungen. Diese Bedeutung von <strong>\u0633\u0648\u0621 <\/strong><em>saw\u2019a<\/em> schlie\u00dft ein neues Bewusstsein ein, das ethische Normen und menschliche Schw\u00e4chen umfasst.<\/p>\n<p><strong>Der \u00dcbergang zur Erkenntnis von richtig und falsch:<\/strong> Mit der Verf\u00fchrung durch Satan wird Adam und seiner Partnerin pl\u00f6tzlich bewusst, was richtig und was falsch ist \u2013 eine Erkenntnis, die Tiere nicht besitzen. Das Bewusstsein f\u00fcr die eigenen Schw\u00e4chen und die Schlechtigkeit ist dabei keine rein \u00e4u\u00dferliche Enth\u00fcllung, sondern ein inneres Erwachen. Sie erkennen, dass es Handlungen und Entscheidungen gibt, die moralisch bewertet werden k\u00f6nnen und die in eine Gemeinschaft von Verantwortung eingebettet sind. Dies ist der Moment, in dem der Mensch seine Rolle als moralisch handelndes Wesen annimmt und sich von der Instinkthandlung des Tieres unterscheidet.<\/p>\n<h3>3. Der Mensch als moralisch und intellektuell handelndes Wesen<\/h3>\n<p>Mit dem Bewusstsein f\u00fcr Schlechtigkeit und moralische Verantwortung beginnt der Mensch, ethische Entscheidungen zu treffen und Normen zu bilden, die den Grundstein f\u00fcr eine funktionierende Gemeinschaft legen. Diese Einsicht gibt Adam und seiner Partnerin die F\u00e4higkeit, Entscheidungen zu reflektieren und Verantwortung f\u00fcr die eigenen Taten zu \u00fcbernehmen. Hier zeigt sich ein zentraler Unterschied zu Tieren: W\u00e4hrend Tiere instinktiv handeln, entwickelt der Mensch ein Bewusstsein f\u00fcr Normen und Konsequenzen, das ihn zum moralisch handelnden Wesen macht. Diese moralische Reflexion ist der erste Schritt zur Entstehung eines reifen Bewusstseins und einer verantwortungsvollen Gemeinschaft.<\/p>\n<h3>4. Warum \u201eSchlechtigkeit\u201c als \u00dcbersetzung passender ist<\/h3>\n<p>Vor diesem Hintergrund erscheint die \u00dcbersetzung des Begriffs <strong>\u0633\u0648\u0621\u062a\u0647\u0645\u0627 <\/strong>(<em>saw\u2019atihima<\/em>) als \u201eSchlechtigkeit\u201c oder \u201eUnvollkommenheit\u201c treffender als \u201eBl\u00f6\u00dfe\u201c. Diese Wahl verdeutlicht den Moment der moralischen und intellektuellen Reifung, der nicht nur die k\u00f6rperliche Enth\u00fcllung, sondern auch das Erkennen menschlicher Schw\u00e4chen und die F\u00e4higkeit zur ethischen Unterscheidung umfasst. Die Entscheidung, den Begriff in unserer \u00dcbersetzung als \u201eSchlechtigkeit\u201c wiederzugeben, spiegelt die tiefere Bedeutung des Verses wider und hebt hervor, dass die Erkenntnis des Menschseins weit \u00fcber die blo\u00dfe k\u00f6rperliche Nacktheit hinausgeht.<\/p>\n<h3>5. Zusammenfassung<\/h3>\n<p>Die Erz\u00e4hlung von Adam und seiner Partnerin im Quran handelt nicht nur von der Entdeckung der Bl\u00f6\u00dfe, sondern vielmehr von der Offenbarung einer inneren Schlechtigkeit und moralischen Verantwortung, die den Menschen von Tieren unterscheidet. Mit der Einsicht in <strong>\u0633\u0648\u0621\u062a\u0647\u0645\u0627 <\/strong>(<em>saw\u2019atihima<\/em>) betont der Quran den \u00dcbergang des Menschen zu einem Wesen, das sich seiner moralischen Pflichten bewusst ist und zwischen richtig und falsch unterscheiden kann. Die Wahl des Begriffs \u201eSchlechtigkeit\u201c verdeutlicht diesen wichtigen Aspekt und zeigt, dass die Menschheit mit dem S\u00fcndenfall eine neue Ebene des Bewusstseins erreicht, die die Grundlage f\u00fcr ihre Rolle als moralische und intellektuelle Wesen bildet.<\/p>\n<p>Diese tiefere Interpretation der Geschichte von Adam und seiner Partnerin erweitert das Verst\u00e4ndnis des Quran und gibt Aufschluss \u00fcber die ethische Dimension menschlicher Existenz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Gn\u00e4digen 7:20 Da fl\u00fcsterte der Satan den beiden ein, um ihnen vorzuzeigen, was ihnen von ihrer Schlechtigkeit verborgen geblieben war, und sagte: Euer Herr untersagte euch diesen Baum nur, damit ihr nicht zu Engeln werdet oder unter den ewig Lebenden seid Die Erz\u00e4hlung von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[317,3,5],"tags":[],"class_list":["post-1662","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hanif-de-artikel","category-lehren-des-koran","category-koran-uebersetzungsfehler"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hanif.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1662","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hanif.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hanif.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hanif.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hanif.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1662"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/hanif.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1662\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1665,"href":"https:\/\/hanif.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1662\/revisions\/1665"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hanif.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hanif.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hanif.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}