{"id":454,"date":"2014-10-29T15:27:06","date_gmt":"2014-10-29T15:27:06","guid":{"rendered":"http:\/\/hanif.de\/?p=454"},"modified":"2022-10-17T15:31:25","modified_gmt":"2022-10-17T15:31:25","slug":"erlaubt-der-koran-die-polygamie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hanif.de\/?p=454","title":{"rendered":"Erlaubt der Koran die Polygamie?"},"content":{"rendered":"<p>Im Namen Gottes des Erbarmers des Gn\u00e4digen<\/p>\n<p>Die Ansicht, dass M\u00e4nner mehrere Frauen heiraten d\u00fcrfen, ist in der islamischen Gesellschaft recht verbreitet und die meisten, die sich oder anderen diese Tat legitimieren, berufen sich auf Vers 3 in Kapitel 4. Wir zeigen zun\u00e4chst\u00a0eine traditionelle \u00dcbersetzung bzw. das orthodoxe Verst\u00e4ndnis der Verse, bevor wir an Hand mehrerer Verse zu beweisen versuchen, dass es sich eher um eine Missinterpretation handelt, die von den Gelehrten der islamischen Sekten absichtlich in die Wege geleitet wurde. Nachfolgend\u00a0die \u00dcbersetzung von Azhar:<\/p>\n<blockquote><p>4:2 Den Waisen sollt ihr ihr Verm\u00f6gen geben. Ihr d\u00fcrft ihnen nicht <span style=\"color: #ff0000;\">nur<\/span> das Schlechte geben und euch das Gute aneignen. F\u00fcgt ihr Verm\u00f6gen nicht dem Euren hinzu! <span style=\"color: #ff0000;\">Wer das tut<\/span>, b\u00fcrdet sich eine schwere Schuld auf.<br \/>\n4:3 <span style=\"color: #ff0000;\">Wie<\/span> ihr zu bef\u00fcrchten habt, den Waisen gegen\u00fcber ungerecht zu sein, <span style=\"color: #ff0000;\">so sollt ihr euch gleichfalls davor zur\u00fcckhalten, eure Frauen durch Ungerechtigkeit zu betr\u00fcben<\/span>. Zwei, drei oder <span style=\"color: #ff0000;\">h\u00f6chstens<\/span> vier k\u00f6nnt ihr zugleich heiraten <span style=\"color: #ff0000;\">unter der Bedingung, sie alle gleich mit Gerechtigkeit zu behandeln<\/span>. F\u00fcrchtet ihr, nicht gerecht sein zu k\u00f6nnen, <span style=\"color: #ff0000;\">so heiratet<\/span> nur eine, oder <span style=\"color: #ff0000;\">begn\u00fcgt euch<\/span> mit euren leibeigenen Frauen! <span style=\"color: #ff0000;\">So bleibt ihr bei der Gerechtigkeit (und vermeidet, viele Kinder zu haben, f\u00fcr die ihr nicht aufkommen k\u00f6nnt)<\/span>.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist erstaunlich, was in diesen Versen hinein interpretiert bzw. falsch \u00fcbersetzt wurde (die roten Zeile), damit es zu ihrer Sicht und mit ihren Glaubens\u00e4tzen passt. Doch bevor wir weitermachen, wollen wir eine wortgetreue \u00dcbersetzung zeigen, damit jeder dieses Durcheinander auf die Reihe bekommt:<\/p>\n<blockquote><p>4:2 Und den Waisen sollt ihr ihr Verm\u00f6gen zukommen lassen, und tauscht nicht die guten Dinge mit dem \u00dcblen. Und verzehrt nicht ihr Verm\u00f6gen zu eurem Verm\u00f6gen, es ist eine gro\u00dfe Zuwiderhandlung<br \/>\n4:3 Und wenn ihr f\u00fcrchtet, zu den Waisen ungerecht zu handeln, so <strong><span style=\"color: #ff0000;\">heiratet<\/span><\/strong> (fank<u>i<\/u>hu), was euch passend von den Frauen ist, doppelt, drei- oder\u00a0vierfach. Wenn ihr aber f\u00fcrchtet, ungleichm\u00e4\u00dfig zu handeln, dann nur eine davon oder eine, die unter eurem Recht steht. Das ist das mindeste, um keine Knappheit leiden zu m\u00fcssen<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir lie\u00dfen bei unserer \u00dcbersetzung das Wort &#8220;<strong>heiratet<\/strong>&#8221; genau so, wie es traditionelle Mosleme zu verstehen glauben. Wir werden jedoch zeigen, dass es sich hier um den Ausdruck &#8220;<strong>heiraten lassen<\/strong>&#8221; von Waisenm\u00e4dchen geht und nicht um das eigene Heiraten.<\/p>\n<blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-455\" src=\"https:\/\/hanif.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/222.png\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"83\" srcset=\"https:\/\/hanif.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/222.png 600w, https:\/\/hanif.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/222-300x42.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p><\/blockquote>\n<p>Das Wort (fank<u>i<\/u>hu), das im Vers als &#8220;heiratet&#8221; \u00fcbersetzt wurde, wird mit dem diakritischen Zeichen &#8220;Kasrah&#8221; (i) betont (siehe im Bild, den roten Kreis). W\u00fcrde man mit &#8220;Fatha&#8221; schreiben, dann liest man es (<strong>fank<u>a<\/u>hu<\/strong>) (a). Bei den beiden diakritischen Zeichen liegt in der Tat ein gro\u00dfer Unterschied. Denn schreibt man das Wort mit Kasrah (sowie im Originaltext, wie im Bild), dann bedeutet es &#8220;<strong>lasst heiraten<\/strong>&#8220;. W\u00fcrde man mit Fatha (a) schreiben, was nicht der Fall ist, dann bedeutet es &#8220;heiratet&#8221;. Der erste Fall (mit Kasrah) wird sogar in einem anderen Vers deutlich gezeigt, dass es um &#8220;Heiraten lassen&#8221; geht:<\/p>\n<blockquote><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-456\" src=\"https:\/\/hanif.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/223.png\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"83\" srcset=\"https:\/\/hanif.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/223.png 600w, https:\/\/hanif.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/223-300x42.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>28:27 Er sagte: Ich m\u00f6chte dich eine meiner beiden T\u00f6chter heiraten lassen daf\u00fcr, dass du dich mir acht Jahre (Pilgerzeiten) lang verpflichtest. Vollendest du zehn, dann kommt es von dir. Ich m\u00f6chte dir aber die Sache nicht schwer machen, und du wirst mich, so Gott will, als einen der Rechtschaffenen finden<\/p><\/blockquote>\n<p>Deshalb verstehen wir nicht, wie die Gelehrten der islamischen Traditionen das \u00fcbersehen haben oder \u00fcbersehen\u00a0wollen,\u00a0vielleicht um sich und ihre Sichtweisen\u00a0zu bekr\u00e4ftigen, obwohl das ganze Thema im Kapitel 4 haupts\u00e4chlich\u00a0davon handelt, wie man mit den Waisen umgeht.<\/p>\n<p>Es werden zwei unterschiedliche Arten von Waisen gezeigt, die im Koran als Thema behandelt werden. Weibliche oder m\u00e4nnliche Waisen,<\/p>\n<ol>\n<li>die noch schwach bzw. unreif sind<\/li>\n<li>die bereits reif aber noch unselbstst\u00e4ndig sind<\/li>\n<\/ol>\n<p>Deshalb steht\u00a0in den Versen 4 und 5 folgendes:<\/p>\n<blockquote><p>4:4 Und gebt den Frauen ihre zustehende Spende als Morgengabe. Wenn sie f\u00fcr euch aber freiwillig auf etwas davon verzichten, dann verzehrt es als wohlbek\u00f6mmlich und zutr\u00e4glich.<br \/>\n4:5 Und gebt nicht den Toren (Unselbstst\u00e4ndige) euer Verm\u00f6gen, das Gott euch zum Unterhalt bestimmt hat, sondern versorgt sie davon und kleidet sie und sagt zu ihnen geziemende Worte<\/p><\/blockquote>\n<p>Vers 4 spricht von der finanziellen Unterst\u00fctzung, die man f\u00fcr die\u00a0Waisen bestimmt, damit es ihnen in ihrem zuk\u00fcnftigen Leben als Grundlage dient. W\u00fcrde man meinen, dass sie mit diesem Geld nicht umgehen k\u00f6nnen, weil sie vielleicht geistig nicht reif sind, dann kann man damit f\u00fcr sie Sachen kaufen und ihnen mit guten Ratschl\u00e4gen weiter helfen. Wenn die Waisen aber ein Verm\u00f6gen von ihren Eltern oder Verwandten geerbt haben, das wir f\u00fcr sie verwalten bis sie \u00e4lter sind, dann m\u00fcssen wir ihnen ihr Verm\u00f6gen zur\u00fcckgeben, sobald\u00a0sie ihre Reife erreicht haben und wir d\u00fcrfen auf keinen Fall etwas davon nehmen, au\u00dfer wir sind so arm, dass wir davon einen kleinen\u00a0Teil entnehmen m\u00fcssen, um unsere Ausgaben zu decken.<br \/>\nDie Rede in Vers 3 ist also nicht von den M\u00fcttern der Waisen, wie manche behaupteten (das Wort M\u00fctter ist auch hier nicht zu sehen) und nicht davon, dass man sie selbst heiratet, sondern davon, dass wir eine Verantwortung gegen\u00fcber den Waisen\u00a0haben und eine gro\u00dfe Last tragen, die durch ihre Heirat, falls es m\u00f6glich ist und sie erwachsen sind, gel\u00f6st werden kann.<\/p>\n<p>Heiraten lassen von den Waisen k\u00f6nnte man ja 2, 3 oder 4 gleichzeitig (Vers 4:3). Dabei ist es wichtig zu beachten, dass sie alle ihren gerechten und gleichm\u00e4\u00dfigen Anteil bekommen und nicht, dass eine mehr als die anderen bekommt. Ist es aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich, weil vielleicht manche Frauen noch nicht heiraten wollen oder, weil sich noch nicht genug Ehem\u00e4nner angeboten haben etc., dann gibt es die M\u00f6glichkeit nur eine Waise heiraten zu lassen oder eine, die unter unserem Recht steht. Dies alles ist erlaubt, wenn die beaufsichtigende\u00a0Person vor allem an Knappheit leidet und f\u00fcr die M\u00e4dchen nicht aufkommen kann.<\/p>\n<p>Vers 4:127 betont wieder, dass es sich nicht um irgendwelche Frauen geht, sondern speziell um die weiblichen Waisen:<\/p>\n<blockquote><p>4:127 Und sie fragen dich um Belehrung \u00fcber die Frauen. Sage: Gott belehrt euch \u00fcber sie, und dar\u00fcber, was euch in der Schrift verlesen wird \u00fcber die weiblichen Waisen, denen ihr nicht gebt, was ihnen vorgeschrieben ist, und die ihr heiraten zu lassen begehrt, und die Schwachen unter den Kindern, und dass ihr gegen\u00fcber den Waisen Gerechtigkeit wahrt. Und was immer ihr an Gutem tut, so wei\u00df Gott dar\u00fcber Bescheid<\/p><\/blockquote>\n<p>Man merkt in diesem Vers, dass die Leute den ersten Teil in diesem Kapitel nicht verstanden haben, deshalb fragen sie nochmal: Was ist mit den Frauen? Und die Antwort darauf war: Es wurde\u00a0bereits \u00fcber die Frauen und insbesondere \u00fcber die weiblichen Waisen in der Schrift verlesen! Betont wird das ganze zweimal in diesem Kapitel, weil es darum geht, dass manche sich das Verm\u00f6gen der Waisen unrechtm\u00e4\u00dfig angeeignet haben. Man erkl\u00e4rte sich als beaufsichtigende Person,\u00a0bzw. als Betreuer f\u00fcr sie, nahm dann\u00a0ihr Geld und wollte sie danach losbekommen, indem man sie heiraten l\u00e4sst. Gott lehrt uns, wenn wir die Aufsicht \u00fcber Waisen haben, dann nicht deswegen, weil es uns Gewinn bringt, sondern weil es einer der Gebote Gottes ist, den Armen, den Obdachlosen und den Waisen ihre Rechte zu geben.<\/p>\n<blockquote><p>2:177 Aufrichtigkeit ist nicht, wenn ihr eure Gesichter in Richtung des Ostens oder des Westens kehrt, sondern Aufrichtigkeit ist, wenn man an Gott, an den letzten Tag, an die Engel, an die Schrift und an die Propheten glaubte und das Geld, obwohl man es liebt, den Nahen, den Waisen, den Bed\u00fcrftigen, dem Obdachlosen, den Fragenden und den Unfreien zukommen lie\u00df und den Kontakt aufrechterhielt und zur Verbesserung beisteuerte. Die ihre Vereinbarung einhalten, wenn sie vereinbarten, und die in der Not, im Leid und wenn es schlimm zugeht, geduldig sind, das sind die Wahrhaftigen und das sind die Achtsamen<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; height: 220px; margin-left: 4px; margin-right: 4px; width: 162px;\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/4\/4c\/Thomas_kennington_orphans_1885.jpg\/220px-Thomas_kennington_orphans_1885.jpg\" alt=\"Die Waisen\" \/><strong><big>Zusammenfassung<\/big><\/strong><\/p>\n<p>Wie man sieht, sind\u00a0solche kleinen Zeichen &#8211; genannt [Harakat] (diakritische Zeichen) -, die von den Menschen im zweiten Jahrhundert nach dem Hijra im Koran gesetzt worden sind, die Interpretation\u00a0einer Gruppe von Menschen. Eine kleine Ver\u00e4nderung solcher Zeichen w\u00fcrde die Bedeutung der Verse ebenfalls ver\u00e4ndern. Man kann also dies oder auch jenes verstehen je nach Veranlagung und Vorlieben. Solche Vorlieben,\u00a0wie das Begehren von Frauen, <span style=\"background-color: #ffffff; color: #333333; font-family: sans-serif,arial,verdana,trebuchet ms; font-size: 13px;\">die die Traditionellen immer wieder zu beto<\/span><span style=\"background-color: #ffffff; color: #333333; font-family: sans-serif,arial,verdana,trebuchet ms; font-size: 13px;\">nen versuchen,\u00a0<\/span>sind bereits im Koran Vers 3:14 vorgef\u00fchrt:<\/p>\n<p>3:14 Geschm\u00fcckt ist den Menschen <strong>die Liebe des Begehrens von den Frauen<\/strong>, den S\u00f6hnen, den zentnerweisen Zentnern\u00a0von Gold und Silber, den gez\u00e4hmten Pferden, dem Vieh und dem Acker. Dies ist eine Nutznie\u00dfung des diesseitigen Lebens, jedoch bei Gott ist die sch\u00f6nste R\u00fcckkehr<\/p>\n<p>Leider sehen wir, dass viele Verse, die von Gerechtigkeit handeln, auf so eine Weise interpretiert wurden, um die Begierden der Menschen und vor allem der M\u00e4nner (da es meistens\u00a0M\u00e4nner sind, die sich damit besch\u00e4ftigen) zu rechtfertigen. In allem liegt entweder eine gro\u00dfe Verf\u00fchrung oder\u00a0eine Verantwortung, f\u00fcr die wir uns entscheiden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Gelobt ist der Herr der Welten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Namen Gottes des Erbarmers des Gn\u00e4digen Die Ansicht, dass M\u00e4nner mehrere Frauen heiraten d\u00fcrfen, ist in der islamischen Gesellschaft recht verbreitet und die meisten, die sich oder anderen diese Tat legitimieren, berufen sich auf Vers 3 in Kapitel 4. 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