Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Gnädigen
Die Werke der Ableugner: Asche und Luftspiegelung
Der Quran verwendet für gleiche Sachverhalte nicht beliebige Bilder.
Wenn unterschiedliche Gleichnisse gewählt werden, dann deshalb, weil unterschiedliche Aspekte derselben Wahrheit
verdeutlicht werden sollen. Ein klares Beispiel dafür sind zwei Verse, in denen die Werke der Ableugner beschrieben werden.
Die Verse
Surah 14 (Abraham), Vers 18
Das Gleichnis derjenigen, die ihren Herrn ableugneten: Ihre Werke sind wie Asche, die vom Wind an einem stürmischen Tag heftig verweht wurde. Sie verfügen über nichts von dem, was sie erwarben. Dies ist der weit entfernte Irrtum.
Surah 24 (Das Licht), Vers 39
Und die Werke derer, die ableugneten, sind wie eine Luftspiegelung in einer Ebene. Der Durstige rechnet damit, dass sie Wasser sei. Bis er dorthin kam, fand er, dass sie nichts ist, doch fand Gott bei sich, der ihm seine Abrechnung erfüllte. Und Gott ist schnell beim Abrechnen.
Beide Verse sprechen über dasselbe Ergebnis: Die Werke der Ableugner haben keinen Bestand. Doch sie nutzen bewusst unterschiedliche Bilder.
Asche in Surah 14: Zerstörte Substanz
Asche ist das, was nach Verbrennung übrig bleibt. Sie ist real, aber wertlos und nicht festzuhalten. Ein Sturm genügt, um sie vollständig zu zerstreuen.
Dass dieses Bild ausgerechnet in Surah Abraham erscheint, ist bedeutungsvoll. In Vers 21:68 wird berichtet, dass die Ableugner Abraham verbrennen wollten:
Sie sagten: Verbrennt ihn und helft euren Gottheiten, wenn ihr es tun müsst.
Feuer ist hier das zentrale Motiv. Feuer zerstört Substanz. Die Werke der Ableugner werden daher als Asche beschrieben: Etwas war vorhanden, wurde jedoch durch falsche Grundlage vollständig zunichtegemacht. Die Aussage von 14:18 lautet daher: Die Werke existierten, aber sie wurden vernichtet. Am Ende bleibt nichts Greifbares.
Luftspiegelung in Surah 24: Schein ohne Substanz
Surah 24 trägt den Titel “Das Licht“. Licht ist ihr durchgehendes Thema.
Eine Luftspiegelung ist ein physikalisches Phänomen, das ausschließlich mit Licht arbeitet. Sie entsteht durch unterschiedlich warme Luftschichten, die Licht brechen und reflektieren. Das Auge nimmt etwas wahr, das keine reale Substanz besitzt.
Der Vers beschreibt einen Durstigen, der etwas sieht, Nutzen erwartet und seinen Weg danach ausrichtet. Am Ziel stellt sich heraus: Es war nie etwas da.
Im Gegensatz zur Asche wurde hier nichts zerstört, denn es gab von Anfang an nichts.
Zwei Gleichnisse – zwei Arten von Ablehnung
Hier liegt der entscheidende Punkt.
Der Quran unterscheidet nicht nur zwischen Glauben und Ablehnung, sondern auch zwischen Arten der Ablehnung.
Asche (Surah 14)
Aktiver Widerstand, Handeln, Bekämpfen, Feuer. Die Werke haben Substanz, aber sie beruhen auf falscher Grundlage und werden am Ende vollständig ausgelöscht.
Luftspiegelung (Surah 24)
Selbsttäuschung, Hoffnung, Erwartung, Orientierung am Schein. Die Werke hatten nie Substanz, auch wenn sie überzeugend wirkten.
Beide enden bei Null, aber auf unterschiedliche Weise: Einmal durch Vernichtung, einmal durch Entlarvung.
Präzision statt Wiederholung
Wäre es nur darum gegangen zu sagen, dass die Werke der Ableugner wertlos sind, hätte ein einziges Gleichnis genügt. Stattdessen wählt der Quran in einer Surah mit Feuer- und Widerstandsmotiv das Bild der Asche und in einer Surah mit Licht-Thematik das Bild der Luftspiegelung. Das ist keine Wiederholung, sondern inhaltliche und thematische Präzision.
Schluss
Die beiden Verse widersprechen sich nicht. Sie ergänzen sich. Sie zeigen, dass Nichtigkeit nicht immer gleich aussieht: Manches geht zugrunde, anderes war nie real. Beides führt zur Abrechnung, doch der Weg dorthin ist unterschiedlich.